IRSCHEN - Eine spätantike Höhensiedlung im Noricum

 

Die Spätantike war eine unruhige und gefährliche Zeit - stets mußte mit Raubüberfällen durch marodierende barbarische Stämme oder gar mit regelrechten Feldzügen feindlicher Armeen gerechnet werden. Schutz und Zuflucht boten neuerrichtete Höhensiedlungen, deren Errichtung zwar schweißtreibend, dafür aber blutsparend war.

 

Eine dieser zeittypischen Höhensiedlungen aus dem 5./6. Jahrhundert n. Chr. befindet sich am Burgbichl in Irschen (Kärnten/Österreich). Lokalisiert auf einem ca. 170 m hohen Hügel, war das kleine spätantike Gemeinwesen durch eine massive Befestigungsmauer eingefasst, die bis zu einer Höhe von 1,5 m erhalten ist. Die Siedlungsfläche gliederte sich auf Terrassen, auf denen sich Wohngebäude teils repräsentativen Charakters befanden. Auf der Hügelkuppe lag als wichtigstes Gebäude eine frühchristliche Kirche.

 

Der Burgbichl erhebt sich an der Südseite der Drau circa 770 m über dem Talboden. Ein Zugang ist nur von Norden kommend möglich, die anderen Seiten sind sehr steil und schwer bezwingbar ein unbestreitbarer strategischer Vorteil. Auf der Kuppe erstreckt sich ein trapezförmiges Areal von einem knappen Hektar, das als Siedlungsplatz zur Verfügung steht. Dieser erstreckt sich auf Hängen und einzelnen Plateaus und wird zumindest an der Nordseite von einer Mauer umgeben. Vor allem im Osten zeichnen sich einzelne Terrassen ab. Alle diese Merkmale sprechen zwingend für eine spätantike Höhensiedlung.

 

In der laufenden Saison 2021 wird seitens der Universität Innbruck eine archäologische Lehrgrabung am Burgbichl Irschen  durchgeführt. Insbesondere der Zisterne, einem Wohngebäude sowie dem Torbereich gelten dabei die Aufmerksamkeit des Teams. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die frühchristliche Kirche gelegt, in der Untersuchungen im Narthex geplant sind. 

Bisher konnte die bis zu 1,5 m hoch erhaltene, massive Steinmauer freigelegt werden, die die Siedlung gegen Norden befestigen sollte.
Am höchsten Punkt des Hügelrückens vermutete man das religiöse Zentrum. Ein Grabungsschnitt konnte dies eindeutig feststellen und noch dazu mit überraschend gut erhaltenen baulichen Strukturen: So fand man die Apsis einer frühen christlichen Kirche (11.5 x 18,5 m), Teile des Zentralraumes und sogar Reste des Fußbodens, in dem auch eine Marmorschwelle eingelassen war. Bemerkenswert war auch die große Zahl an Marmorbruchstücken, zu denen ein gut erhaltenes Säulenkapitell gehört - möglicherweise ein Bestandteil der Altarschranke.

 

Weitere Forschungen galten dem potentiellen Wohnbereich im Osten der Anlage. Neben zahlreichen Mauerresten konnten sogar flächig Wandverputz freigelegt werden. Nicht nur die baulichen Befunde waren Grund zur Freude - Kleinfunde wie Fibeln, Münzen, verschiedenste Metallgegenstände sowie zahlreiche Keramikbruchstücke halfen bei der Datierung der Befunde, die scheinbar bis ins 3. Jahrhundert nach Christus zurückreichen. Der Fund eines Antoninian des Gallienus ermöglichte die Festlegung eines terminus post quem für die Errichtung der Umfassungsmauer auf die Jahre 265/266 nach Christus.

 

In den nächsten Jahren wollen die beteiligten Archäologen die Toranlage sowie etwaige Türme lokalisieren.          Aufgrund der gut erhaltenen Stratigraphie gilt diese Höhensiedlung am Knotenpunkt zweier antiker Straßen als vielversprechende Quelle für die weitere Erforschung der spätantiken Zeit im Noricum.

 

Im Sommer 2021 können auch geschichtsinteressierte Laien bei den archäologischen Arbeiten der Universität Innsbruck aktiv mit dabei sein. Die Leitung des Grabungsteams liegt dabei in den bewährten Händen von Assoz.-Prof. Dr. Gerald Grabherr und Dr. Barbara Kainrath (die bereits im Vorsommer 2020 bei einer spektakulären keltischen Grabung in Lienz geschichtsinteressierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ARGE Archäologie begrüßen konnten).

 

Neben fünf Tagen der aktiven Mitarbeit auf der Grabung stehen zumindest zwei abendliche Vorträge zu projektrelevanten Themen sowie ein Ausflugstag auf dem Programm, an dem wir Fundstellen und Museen in der näheren Umgebung erkunden.

 

Aufgrund des ca 20-minütigen, landschaftlich herausragenden, jedoch durchaus fordernden Aufstiegs zur Grabungsstelle ist Fitness und Wanderlust für die Teilnahme an der Grabung Irschen unabdingbar.

  

Termin: 

SA 17. Juli - SA 24. Juli 2021

 

Gruppe: 

Zur Sicherung einer optimalen Wissensvermittlung und funktionierenden Gruppendynamik umfassen unsere Grabungsgruppen bei Grabungen 6 bis 8 Teilnehmer. Bei 3 - 5 Teilnehmern erheben wir 20% Kleingruppenaufschlag.

 

Preis:

ab € 1.680,- bis/ab Spittal an der Drau (lt. u.a. Leistungen). An- und Abreise nicht inkludiert (gerne organisiert und bucht unser Reiseveranstalterpartner Zugvogel Touristik Ihre Anreise für Sie). EZ-Zuschlag € 280,-.  Shuttledienst ab/bis Spittal an der Drau inkludiert. Zum Arrangementpreis hinzu kommt ein einmaliger Vereinsmitgliedschaftsbeitrag von € 18,- bei der ersten Reise im Kalenderjahr - es können ausschließlich Vereinsmitglieder an den Reisen der ARGE Archäologie teilnehmen. Die Mitgliedschaft erlischt automatisch mit Ende des Kalenderjahres.

  

Bitte beachten Sie, daß sich die genannten Grabungtermine aufgrund universitätsinterner Planungen noch geringfügig verschieben können. Wir aktualisieren jeweils sofort nach Information durch die kooperierenden Universitäten und wissenschaftlichen Institute und können keine Haftung übernehmen, falls Sie Ihre Anreise selbst buchen. 

 

Leistungen:

  • Alle Transfers und Rundfahrten im Kleinbus mit Aircondition
  • 7 Übernachtungen in guten ***Hotels (Landes-Klassifizierung), jeweils in Zweibettzimmern mit Du/WC mit Frühstück (falls gleichgeschlechtlicher Partner möglich, sonst upgrading auf EZ).
  • Mo - Fr Grabungsteilnahme inkl. Mittagsjause auf der Grabung (geeignetes Wetter vorausgesetzt)
  • Mindestens 2 wissenschaftliche Vorträge durch Grabungs- und Reiseleitung
  • Aktive Betreuung durch die Archäologen und den archäologischen Reiseleiter der ARGE Archäologie 
  • Einführung in archäologische Arbeitsmethoden und Grundlagen
  • Ein Exkursionstag zu umliegenden Fundstellen und Museen (exkl. Museumseintritte und Verpflegung)
  • Literatur zum vorbereitenden Einlesen (elektronisch übermittelt)
  • Alle benötigten Werkzeuge auf der Grabung

Corona-Hinweis: Es werden alle gesetzlich vorgegebenen Maßnahmen lückenlos umgesetzt. Aufgrund der geringen Gruppengröße kann die Möglichkeit einer Ansteckung minimiert werden. Es gelten die bekannten 3G-Regeln (geimpft, genesen oder getestet). Wir ersuchen um solidarische Akzeptanz aller Regeln und freuen uns auf eine ungetrübte Studienreise.